Gemeinde St. Maria-Magdalena - Pfarramt - Advokatenweg 48 - 06114 Halle (Saale) Impressum Datenschutz

Der Brief

Liebe Glieder und Freunde unserer Gemeinde St. Maria-Magdalena! Dieser Gemeindebrief erscheint kurz nach Pfingsten, dem Fest der Aussendung des Heiligen Geistes. Sechs oder nach anderer Zählung sieben Gaben werden gemäß Jesaja 11,2 dem Heiligen Geist zugeschrieben: Frömmigkeit (als Ausrichtung auf Gott), Weisheit, Verstand, Rat, Stärke, Erkenntnis und Gottesfurcht. Diese Siebenzahl wird in einem alten, von Martin Luther übertragenen Pfingstlied erwähnt, wo es heißt: „Du bist mit Gaben siebenfalt der Finger an Gottes rechter Hand.“ (ELKG 97,4) Diese Gaben des Geistes werden in unseren Pfingstliedern besungen. Man kann Lied für Lied darauf hin durchgehen, wo welche Gabe vorkommt. Diese Gaben können aufgrund der Kombination mit anderen Schriftaussagen über den Heiligen Geist variiert werden. So besingt das Lied von Heinrich Held, „Komm, o komm, du Geist des Lebens“ (ELKG 106) in Strophe 2 Weisheit, Rat, Verstand, Zucht und Erkenntnis und in Strophe 5 Trost, Mut, Geduld und Ruhe als Gaben des Geistes. In unseren Liedern erbitten wir für uns, was Gottes Wort an Gaben des Geistes denen verheißt, die an Christus glauben. Weisheit, Rat, Verstand und Zucht erbitten wir im Pfingstlied für unsere Sinne. Damit geben wir zu erkennen, dass uns diese Gaben geschenkt werden müssen, weil wir sie nicht selber haben. Wir bekennen, dass wir ohne den Geist Gottes nicht Weise sind, sondern Toren, nicht verständig, sondern unverständig, nicht voller Gewissheit, was wir tun sollen, sondern voller Ungewissheit, nicht voller Zucht, also nicht Herren unserer Begierden, sondern Sklaven derselben, oft genug von ichbezogenen Wünschen und Gefühlen getrieben. Darum bitten wir: „Gib in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rat, Verstand und Zucht, dass wir anders nichts beginnen, als nur, was dein Wille sucht, dein Erkenntnis werde groß und mach uns vom Irrtum los.“ (ELKG 106,2) Weisheit und Rat, Verstand und Zucht für alles heilsame Wollen und Planen, gibt uns Gottes Geist. Er bindet sich dafür an die Worte Jesu Christi, an das Wort seiner Apostel und Propheten, an die Gebote und Verheißungen unseres Gottes, wie wir sie in der Schrift finden. Alle guten Gaben, alle Schönheit des Leibes und der Seele kann von Menschen zum Segen gebraucht werden, oder es kann missbraucht werden zum Fluch und Unheil. Damit wir unsere Gaben so gebrauchen, dass wir vor Gott an Seele und Leib keinen Schaden nehmen, brauchen wir die Leitung des Heiligen Geistes durch das Wort. Wir brauchen in unserem Planen und Tun das Lesen in der Heiligen Schrift und das Reden mit Gott im Gebet. Denn hier leben wir im Lebensodem des Heiligen Geistes, der durchs Hören des Wortes Glauben wirkt. Nur so bringen wir Ordnung und Klarheit und Reinheit in unsere Wünsche, Pläne und Ziele. Nur so werden wir nicht hin und her geworfen von den gegensätzlichen Meinungen und Trends der Menschen, sondern kommen in Einklang mit dem Dichten und Trachten des segnenden Gottes. Dass dabei auch unter Gottes Segen nicht alle Tage Sonnenschein vorherrscht, dass es auch durch dunkle Täler geht, bleibt uns dabei nicht verborgen. Doch auch dafür hält der Heilige Geist seine Hilfe bereit. „Wird uns auch um Troste bange, dass das Herz oft rufen muss: ,Ach mein Gott, mein Gott, wie lange?‘ o so mache den Beschluss; sprich der Seele tröstlich zu und gib Mut, Geduld und Ruh.“ (ELKG 106,5) Wer sich nach den Weisungen des Heiligen Geistes in der Bibel richtet, der wird nicht sofort und nicht immer von Erfolg zu Erfolg springen, der wird auch Enttäuschungen und Misserfolge erleben. Dann ist die Frage: Wenden wir uns den Einflüsterungen unseres alten sündigen Wesens oder anderer Stimmen zu, die uns schnelle Befriedigung verheißen, oder aber kommen wir mit unserer Mutlosigkeit, unserem Frust, unserer Ungeduld zu Gott und lassen uns von ihm Trost, Leitung und Kraft schenken. Genau das geschieht in unseren Gottesdiensten, im Hören des Wortes Gottes, im Empfang der Vergebung in der Beichte, im Empfang der Sakramente und des Segens. Hier legen wir nieder, was uns von Gottes Geist trennt und unser Leben vordergründig zwar so stolz, in Wirklichkeit aber arm und trostlos macht: Wir legen nieder unsere Torheit, unsere Ratlosigkeit, unseren Unverstand, unsere Unzucht, unsere Mutlosigkeit, Ungeduld und innere und äußere Unruhe. Wir legen sie nieder und bitten Gott, den Heiligen Geist, er wolle uns diese Lasten abnehmen, er wolle uns die Liebe zu ihnen nehmen und uns öffnen für seine Gaben. Wenn wir dann die Worte unseres Heilandes hören: Dir sind deine Sünden vergeben, geh hin im Frieden, dann geschieht es, dass uns alle Gaben des Geistes zuströmen und durchdringen, mehr als wir bitten und ermessen. Das schenke Gott uns allen. Amen. Ihr Pastor Armin Wenz
Mittelfenster der Magdalenenkapelle
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